Gedanken zum Erntedankfest
Gottes Gaben – unsere Aufgaben
Gottes Früchtekorb
Viele Früchte sind in Gottes Früchtekorb Und eines dieser Früchte, das bin ich.
Manche sind wie Stachelbeeren: herb und sauer, andere zuckersüß wie griechische Rosinen. Manche sind wie hochgewachsene Stangenbohnen, andere rund und mollig wie ein Kürbis. Manche sind geröstet, braun wie Kaffeebohnen, andere sind vornehm bleich wie Blumenkohl.
Manche, die sind scharf wie Paprika und Curry, andere sind zart, verhalten im Aroma. Manche, die sind spritzig, saftig wie ein Pfirsich, andere sind trockenes Dörrobst, extra dry. Manche, die sind kernig, knackig, so wie Nüsse, andere muss man schälen unter Tränen wie die Zwiebeln.
Manche, das sind Alltagsfrüchte wie Kartoffeln, andere wollen was Besonderes sein: wie Mangos oder Kiwis. Manche jucken dich und kitzeln wie die Hagebutten, andere hinterlassen bitteren Nachgeschmack. Manche, die sind giftig, trotz der schönen Farben, andere sind wie Medizin: tun ganz einfach gut.
Manche Früchte hängen hoch, schwer zu erreichen, andere, da muss man unten suchen und sich bücken. Manche gibt’s, die brauchen lange, um zu reifen, andere sind frühreif – oder werden niemals reif. Manche, die werden faul schon auf den Bäumen, oder sie sind hohl von innen: taube Nüsse.
Manche gibt’s im Sonderangebot: sehr billig, und andere sind mit Gold nicht zu bezahlen. Manche sind wie "Aufgesetzter", wie ein Rumtopf: nur genießbar unter Alkohol! Manche haben eine harte, rauhe Schale, doch darunter einen weichen, süßen Kern.
Manche, die sind wirklich ungenießbar, ganz geschmacklos – oder muffig – oder faul. Manche sind das Hauptgericht in unserem Leben, andere eher Nachtisch: wie Kompott flambiert.
Viele Früchte sind in Gottes Früchtekorb. Und eines dieser Früchte, das bin ich.
Quelle: Hermann Josef Coenen
Meine Jakobsleiter – Meditationen S. 72f
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© Georg Michael Ehlert
